Staffelchronik der glorreichen 512 Tigers

 

DIE GEBURT:

Nachdem das Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" in Dienst gestellt und der Flugplatz Jagel von der Marine an die Luftwaffe übergeben war, kam die Zeit da die 2. Aufklärungsstaffel zum Leben erwachen sollte. Das Gebäude der 2. Staffel MFG 2 sollte die Heimat der 512 Tigers werden und wurde im Sommer 1994 durch großes Engagement der zukünftigen Staffelmitglieder renoviert.

Oberstleutnant Jürgen Artis, der schon im Stab der Fliegenden Gruppe Vorarbeit hierfür geleistet hatte, war auch am Vorbereitungsprozess zur Staffeleröffnung maßgeblich beteiligt. Die Büros wurden gestrichen und eingerichtet. Das Herzstück der Staffel, die Tigerbar wurde auch in Eigenleistung hochgezogen und sollte am Tag der Indienststellung eröffnet werden. Dafür hatte man den 26.08.1994 vorgesehen. Vor versammelter Mannschaft gab der Kommandeur Fliegende Gruppe, Oberstleutnant Arnim Haase, den Befehl, die zweite Staffel in Dienst zu stellen. Befehlsempfänger war der erste Staffelkapitän der 512 in Jagel: Jürgen Artis.

Jeder erwartete nun eine zünftige Einweihung der Staffelbar, aber als die ersten Mitglieder in "ihrer" Staffel ankamen, erwartete sie eine Überraschung der besonderen Art. Die "Erste" hatte kurzerhand ein kleines Ferkel im Staffelgebäude einquartiert. Nicht nur, dass der Flur voll Stroh lag, auch die frisch getünchten Wände waren mit Schweinekot beschmiert. Prompt bekam das Ferkel den Namen "Bernie" und der StaKa 511 einen rosa Namensfetter. Bernie das Schwein wurde beim angrenzenden Bauern aufgezogen und fiel beim nächsten Schlachtfest der Partylaune unserer Staffel zum Opfer.

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GRÄBERSUCHE:

Einen Einsatz der besonderen Art hatte die Staffel im September 1994 zu fliegen. Im Bereich des Truppenübungsplatzes Altengrabow, der im Sommer von den russischen Streitkräften zurückgegeben worden war, wurden Leichen vermutet. Zum Ende des zweiten Weltkriegs war auf dem Gebiet ein Kriegsgefangenenlager errichtet worden. Etwa 100 italienische Soldaten waren 1946 bis 1949 dort gestorben und vergraben worden. Nun galt es die Leichen zu finden.

Die "Zweite" flog tief über das Gebiet und deckte es mit Infarot-Kameras ab. Die anschließende Bildauswertung ergab den genauen Standort der Massengräber und keine drei Wochen später fanden die Toten ihre letzte Ruhestätte auf einem Soldatenfriedhof in der Nähe von Udine.

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HOCHWASSER-FLÜGE:

Schnell sprach es sich herum, dass das Aufklärungsgeschwader 51 "I" mehr konnte, als rein militärische Luftaufklärung. An einem Freitag im Herbst traf man sich im Stab Fliegende Gruppe und erörterte die Möglichkeit, das Bundesamt für Wasserwirtschaft zu unterstützen. In einem Amtshilfeersuchen wurde das Geschwader gebeten, die überschwemmten Gebiete an Rhein und Mosel abzulichten.

In einer Höhe von 1500 Fuß brachen Tornados mit Besatzungen aus der 512 an Bord durch die Wolken bei Koblenz und knipsten das Deutsche Eck, oder zumindest das, was noch aus den Fluten heraus ragte. Fast eine Woche dauerte der Einsatz und die Aufnahmen wurden dankbar vom Bundesamt bestaunt. So konnten sie genau festlegen, an welcher Stelle Rückstaubecken für Rhein und Mosel geplant werden müssen.

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EINSATZ ÜBER BOSNIEN:

Frühjahr 1995: Die ersten Vorbereitungen laufen an um ein Kontingent nach Italien zu verlegen. Für UNPROFOR werden noch Taktische Luftaufklärer benötigt. Zwar beruhigt die Geschwaderführung mit den Worten:"...jetzt machen wir erst Mal weiter wie gewohnt, trinken ein Weißbier und schauen nächste Woche weiter." Doch auch in der zweiten Staffel werden Vorbereitungen getroffen. Im Sommer trifft ein, was schon vermutet und vorbereitet wurde. Das Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" verlegt mit sechs Tornados nach Piacenza in Italien.

Der damalige Kommodore Oberst Eckard Sowada glättet die Wogen und verspricht: "Bis Weihnachten seit ihr alle wieder Zuhause." Es wurde jedoch Weihnachten 2001 bevor sich sein Versprechen erfüllte, doch dazu später mehr. Zunächst sind die Flieger aus Jagel gut motiviert, dürfen jedoch nicht in die Luft. Bosnien wird von den Amerikanern mit ihren unbemannten Drohnen (UAV) aufgeklärt, über Italien dürfen die Aufklärer auch nicht fliegen. Stimmen aus Lechfeld werden laut mit dem Tenor: "Was machen die hier überhaupt, die sind doch überflüssig." Doch die Partystimmung ist hervorragend. Erste Tiefflüge über Italien laufen an und die Stimmung hellt sich auf. Als sich die Lage über Bosnien plötzlich zuspitzt und die Amerikaner kurz hintereinander zwei ihrer "Predators" (UAV) verlieren, tauchen die Jagelaner ins Rampenlicht ein.

Sie werden ins Einsatzgebiet geschickt und liefern hervorragende Bilder. Besatzungen der 512 sind mit dabei. Im CAOC werden die Bilder dem UnitRep aus der Hand gerissen, jeder möchte so ein Foto. Am 30.August 1995 wird eine französische Besatzung über Bosnien abgeschossen und ist seitdem vermisst. Die Serben behaupten, nichts von den Mirage-Piloten zu wissen. Als OTL Jürgen Artis, StaKa der 512 Tigers, bei einem Flug über Bosnien einen Kurvenflug einleitet und sein WSO die Kameras zufällig mitlaufen lässt, fotografieren sie ein Waldgebiet in Grenznähe zu Serbien.

Ein Bildauswerter, der bis spät in den Abend hinein den Film durchsah, entdeckte einen ungewöhnlichen Punkt im Wald. Bei nähere Untersuchung stellt es sich als ehemaliges Versteck der Franzosen heraus. Verhandlungen wurden eingeleitet und die Besatzung konnte aus serbischer Gefangenschaft ausgelöst werden. In den kommenden Jahren 1996 bis 1998 entspannte sich die Lage auf dem Balkan. Das Friedensabkommen von Dayton wird durch die norddeutschen Aufklärer überwacht. Piacenza zählte zu den Routineverpflichtungen der Staffelangehörigen. Zwei bis dreimal im Jahr ging man dorthin, flog, spielte Doppelkopf nach 512-Regeln und genoss die ausgesprochen gute Gastfreundschaft der Italiener. Manch einer verirrte sich auf dem Heimweg ins Hotel und war schon in Richtung Mailand unterwegs.

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STAFFELÜBERGABE EINS UND ZWEI:

Nennenswerte Highlights dieser Jahre sind die Staffelübergaben. OTL Artis übergibt die 512 Tigers am
31. Juli 1996 an seinen ehemaligen EinsatzStOffz "Rudi" Ossmann. Am 30.September 1998 wird es jedoch auch für den ehemaligen Bremgardener Zeit, seinen Stuhl zu räumen und einem jüngeren Platz zu machen. Oberstleutnant Rudi Ossmann übergibt seine Staffel an Major Josef Ehrenreich, den EStOffz der "Chickenstaffel" 511. Schlechte Karten für Sepp, möchte man meinen, aber seine Staffel und er wachsen schnell zusammen.

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KRIEG IM KOSOVO:

Gegen Ende des Jahres 1998 wird es noch mal ernst. Präsident Milosovic will das Kosovo nicht von Serbien abspalten. Mit militärischer Gewalt wird dort gegen die Albaner vorgegangen, Verhandlungsangebote und Drohungen der gesamten westlichen Welt bleiben ungehört oder prallen am Serbenführer ab.

Am 24. März 1999 greift die NATO schließlich Serbien an. Deutsche Aufklärer sind zwar vor Ort in Piacenza, fliegen jedoch nicht, sondern unterstützen die Lechfelder ECR-Besatzungen wo sie nur können. Nach etwa einer Woche werden die RECCE-Tornados nach Schleswig zurückgeflogen und auf eine 72 Stunden-Bereitschaft gesetzt.

Am 26. April 1999 ruft der amtierende Staffelkapitän Sepp Ehrenreich seine 512 zusammen. Aus erster und zweiter Staffel und dem Stab werden fünf Besatzungen zusammengestellt, die tags darauf nach Piacenza fliegen müssen. Auftrag: Aufklärungsflüge über dem Kosovo und Serbien. Allen Beteiligten, einschließlich der Führung, ist nicht wohl bei dem Gedanken, aber der Job muss nun mal getan werden.

Die ersten Bilder von den zerstörten Dörfern im Kosovo sowie wichtigen militärischen Zielen werden von einer Besatzung der Tigers 512 gemacht und dem nationalen Zweig übergeben. Zum Glück verlaufen die Einsätze ohne Zwischenfälle und der Konflikt kann nach etwas über 70 Tagen beigelegt werden.

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ALTER SCHWEDE - STAFFELBESUCH AUS SKANDINAVIEN:

Anfang September 1999 besucht eine schwedische Staffel aus Aengelholm mit Viggen die Zweite. Gemeinsame Flüge und Freizeitaktivitäten lassen den Austausch für beide Seiten zum Genuss werden. Ein Gegenbesuch in 2000 wird nicht geplant, da die schwedische Staffel aufgelöst wird. Mit dem ersten Arbeitstag des Jahres 2000 wird eine neue Tradition in der 512 geschaffen. Es geht mit einer lustigen, aber nach zwei Stunden völlig durchgefrorenen Truppe zum Bosseln. Start und Ziel ist die UHG in Kropp. Mit zunehmender Spielpraxis werden die Würfe jedoch nicht besser, sodass die Partie abgebrochen wird und als Wanderung durch Kropp endet.

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HELLAS - ZUM STAFFELAUSTAUSCH IN GRIECHENLAND:

Im Sommer 2000 nimmt die 2. an einem Staffelaustausch mit Griechenland teil und fliegt nach Araxos. Das Glatzenkommando meldet sich zurück, nachdem man in Südeuropa freiwillig auf die Haarpracht verzichtet hat. Vereinzelt sind heute noch Spuren davon zu sehen. Manch einer trägt ein Namenschild in kyrillischer Schrift, oder den breitesten Mittelscheitel, den es zwischen Dänemark und Oberfranken gibt.

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SPÄTER LOHN FÜR EINSATZ VON LEIB UND LEBEN:

Am 20. Juni 2000, ein Jahr nach Beendigung des Kriegseinsatzes, erhalten die Besatzungen, die während ALLIED FORCE über dem Kosovo und Serbien flogen, die Einsatzmedaille. General Back übergibt die Ehrungen bei einem Geschwaderappell.

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BEI DEN GALLIERN - ÜBUNG "ODAX" IN REIMS:

Im April 2001 verlegt die zweite Staffel mit einem Kontingent nach Reims. Neben einem Staffelaustausch mit den Franzosen ist die Teilnahme an der Übung ODAXS 2001 vorgesehen. Der Gegenbesuch der Miragepiloten fällt aus, da die Franzosen nach dem 11.September 2001 einen Einsatz in Afghanistan planen.

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DIE RÜCKKEHR AUS ITALIEN:

Am 27. Juli 2001 fliegt das Einsatzgeschwader 1 in Piacenza ihre letzte SFOR-Mission, bevor die Jageler Tornados am 30. Juli zurückverlegen. Nach sechs Jahren im Einsatz sind die Staffeln wieder aufgefüllt. Im Sommer, während GAFTIC 2001, ersteht die Staffelbar der Tigers 512 in neuem Outfit. Engagierte Bastler reißen das alte Relikt heraus und gestalten die Bar neu.

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DER 11. SEPTEMBER UND EINE WEITERE STAFFELÜBERGABE:

Der Anschlag auf das World Trade Centre am 11. September 2001 schockt auch die Tigers. Ein Besuch bei einer Airshow in den USA fällt aus, das GAFTIC Kommando muss am Boden bleiben und die umgeleiteten Maschinen in Kanada betreuen. Dennoch verlegt das zweite Goose Bay-Kommando planmäßig.

Bei der Staffelübergabe von Major Sepp Ehrenreich an Major Ulf Schorling kann ein Teil der 2./- leider nicht teilnehmen, da einige immer noch in Goose Bay sitzen. Dennoch übernimmt Ulf die Staffel zum 01. Oktober 2001. Schließlich gab es ein weiteres Boßel-Event im Dezember 2001: Die kurze Strecke vom Simulator bis zum Ziel 512-Staffel reichte wieder mal nicht aus, die Spielpraxis zu perfektionieren; eher im Gegenteil: Alle Teilnehmer waren froh, dass sie überhaupt noch das Ziel fanden. Jedoch war letztendlich niemand unzufrieden mit dem Ergebnis: Zwei leere Kübel Punsch mit Schuß und einige leere Kisten Bier.

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DER 5.12. - EIN WICHTIGER TAG:

Auch das Jahr 2002 war für die Staffel ereignisreich. Im Frühsommer wurde die Verlegefähigkeit der 512 zusammen mit der "anderen" Staffel in Jever überprüft. Keine sonderlich schöne Zeit, aber das Ergebnis konnte überzeugen. Im Frühjahr beschloß man, dass sich alle neuen 512-Members ihre Staffel-Patches erdienen sollen. Hierfür muss der "Youngster" mit Phantasie, Fleiß und Einsatzbereitschaft für die 512 eine bedeutende Zahl an Punkten verdienen. Der erste "Sprössling" wurde dann am Staffeltag, dem 5.12. nach einer überzeugenden Darbietung einer Recce-Mission vom StaKa zum Staffelmitglied geschlagen.

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233 STAFFEL DER FRANZOSEN ZU BESUCH IN SCHLESWIG:

Sie haben es doch geschafft; Piloten und Begleitpersonal von der 233 Staffel "Savoie" aus Reims (Frankreich) besuchten trotz meteorologischer Widrigkeiten endlich die 512 Tigers in Schleswig. Auch wenn wegen äußerst schlechter Wetterbedingungen nur wenige gemeinsame Flüge zustandekamen, so hatten die französischen Kommandoteilnehmer doch reichlich Spaß. Sie zeigten uns dann beim "französischen" Abend, dass sie auch bemerkenswert feiern können (autsch).

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